Pionierlager Artek

 

Krim - Sowjetunion

 

 

 

Artekpostkarte 1975

 

 

 

 

Artek - Blick auf den Aju-Dag und Morkskoj 13.09.2016

 

 

 

 

 

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Peter Thiel

22.09.2016

 

 

 

Schlüsselwörter

Artek, Ferienlager Artek, Jalta, Krim, Pionierlager Artek

 

 

 

Auf dieser Seite finden Sie einige Impressionen einer Reise einer 40-köpfigen Pionierdelegation der DDR im Jahr 1975 in das Internationale Pionierlager Artek auf der Krim (Sowjetunion), darunter vier Mitglieder des Volksinstrumentenorchesters im Haus der Jungen Pioniere "German Titow" in der Lichtenberger Parkaue, an der ich durch eine seltene Fügung teilnehmen konnte.

 

Ich bekomme - Dank Internet - gelegentlich Nachrichten von ehmaligen Artekteilnehmern, worüber ich mich freue.

Wer mir noch nicht geschrieben hat, kann das gerne tun. Vielleicht machen wir mal im Jahr 2025 - fünfzig Jahre danach - ein Treffen.

peter@peterthiel.de

 

 

 

 

 

 

 

 

1975 feierte man in der Sowjetunion und in der DDR den 30. Jahrestag der Befreiung (Bezeichnung in der DDR als Tag der Befreiung des deutschen Volkes vom Hitlerfaschismus). Aus diesem Anlass wollte man seitens der DDR eine dem Anlass entsprechende Pionierdelegation in das sowjetische Pionierlager Artek auf der Krim schicken. Da die vorherigen DDR-Delegationen wohl nur wenig künstlerische Kompetenzen hatten, bestand die Hälfte der Delegation für das Sommerlager 1975 aus Mitgliedern der Tanzgruppe, des Chores und des Volksinstrumentenorchesters und einem Mädchen aus der Sprechergruppe am Haus der Jungen Pioniere "German Titow" in Berlin (Ost). 

Da aus der Tanzgruppe nur Mädchen teilnahmen und aus dem Chor nur ein einziger Junge, waren - offenbar aus Gründen der angestrebten Geschlechterparität - aus dem Volksinstrumentenorchester vier Jungen (Andre (Trompete), Dirk-Uwe (Gitarre), Matthias (Klarinette) und Peter Thiel (Querflöte) ausgewählt worden. So verdanke ich meine Teilnahme nicht besonderen musikalischen Leistungen oder gar besonderer politischer Linientreue, sondern dem Diktat des Geschlechterproporz. Zum Glück mussten wir in Artek nur ein einziges Mal auftreten. Vermutlich habe ich auch nur vor diesem Auftritt auf der Querflöte geübt.

Die andere Hälfte der Delegation setzte sich aus Schülern der Polytechnischen Oberschule "Oleg Koschewoi" und einer Schülergruppe einer Schule aus Seelow zusammen. Oleg Koschewoi und Seelow - zwei symbolische Namen im Kampf der Roten Armee gegen das "faschistische" Deutschland.

 

Oleg Koschewoi war ein sechzehnjährige Komsomolze, der in der Stadt Krasnodon den Aufstand gegen die Wehrmacht führt. Etwa vier Monate kämpfte er mit über 100 Komsomolzen gegen deutsche Soldaten. Einen Monat vor der Befreiung der Stadt durch die Rote Armee (Januar 1943) wurde die Gruppe verraten. Von 103 jungen Mitgliedern blieben nur 8 am Leben. Der Leichnam Oleg Koschewois wurde erst im März 1943, gefoltert und verstümmelt, aufgefunden.

http://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_Alexandrowitsch_Fadejew

 

 

Die Schlacht um die Seelower Höhen im April 1945 eröffnete die Schlacht um Berlin der Roten Armee am Ende des Zweiten Weltkrieges.

http://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_um_die_Seelower_H%C3%B6hen

 

http://www.stayfriends.de/Seelow-S-2CQ0-C

http://www.stayfriends.de/Schule/Berlin/POS/5_-POS-Oleg-Koschewoi-Berlin-Friedrichshain-S-N71-S

 

 

 

Vor der Reise wird uns aufgetragen, während der Zeit in Artek ein Tagebuch zu führen. Ich bin allerdings nicht so schreibfreudig und so werden es zum Schluss gerade einmal 19 Seiten. Aber immerhin 35 Jahre später sind die Informationen samt Namensliste doch ganz gut zu gebrauchen.

22.07.1975

Flug mit einer IL-62 von Berlin Schönefeld nach Moskau.

 

 

 

 

 

 

 

 

23.07.1975: "The Beatles vom Haus der Jungen Pioniere" auf dem Roten Platz

von links nach rechts: Jörg B. (Chor), Andre S. (Trompete), Dirk-Uwe Q. (Gitarre), Matthias A. (Klarinette), Unbekannt, Arianne B., Unbekannt), Fotograf: Peter Thiel (Querflöte)

 

 

 

 

24.07.1975 

Vom Moskauer Kursker Bahnhof mit dem Zug nach Simpferopol. Ankunft in Simpferopol am 25.07. Weiterfahrt mit dem Bus nach Artek. Die DDR-Delegation ist im Teillager Morskoj untergebracht. Dort sind auch Gruppen aus der UdSSR, Frankreich, Italien, Ungarn, Algerien, Chile und Nigeria.

01.08.1975 Treffen mit Gladys Marin und Laura Allende aus Chile. "Die Brigaden2 und 3 gingen zum Kulturprogramm der BRD"

 

 

 

 

 

 

 

Artek 1975: Treffpunkt vor unserem Haus am Schwarzen Meer (Morskoj).

Oben die Dachterrasse wo ein Treffen mit der westdeutschen Pionierdelegation stattfand

 

 

 

 

 

Die folgenden Bilder (Fotograf unbekannt) liegen gescannt in einer höheren Auflösung vor als hier abgebildet.

 

 

 

Mitglieder der DDR-Delegation

Stehend: Vier Jungen vom Volksinstrumentenorchester und ein Mädchen). Links Peter Thiel mit ausgeliehenen Pionierkäppi für den Fototermin. Rechts stehend: Andre S. - Trompeter, wurde von Seelower Pionierleiterin zum Haareschneiden geschickt, worauf hin er sich erfolgreich bei der Delegationsleiterin beschwerte. Da soll mal noch einer sagen, die DDR wäre ein totalitärer Staat gewesen. Auch die Haare von Matthias A gehen über die Ohren.

Sitzend wie sich das ganz traditionell gehört: Mädchen von der Tanzgruppe im Haus der Jungen Pioniere "German Titow" in der Lichtenberger Parkaue in Berlin.

 

 

 

 

Die Jungen und die Männer seperat vor einer Plastik die man nicht verstehen muss.

 

 

 

 

 

 

39 Pioniere der DDR-Delegation + Betreuer. Ein Pionier fehlt wohl.

Zusammensetzung: 1. Haus der Jungen Pioniere "German Titow": Chor, Tanzgruppe, Volksinstrumentenorchester, Sprechergruppe

2. Polytechnische Oberschule "Oleg Koschewoi" - Berlin

3. Pioniere aus Polytechnischer Oberschule in Seelow

ganz links: 2 sowjetische Assistenten; zweiter von links: Gruppenleiter (von der Pionierrepublik Werbellinsee); zweite von rechts stehend: Delegationsleiterin aus Dresden; ganz rechts: Chorleiterin Karola Marckardt (später Leiterin des von ihr gegründeten Clara-Schumann-Frauenchors, 2004 gestorben) - siehe auch unter http://www.ddr-hoerspiele.de/amiga/Traumzauberbaum.html; dritte von rechts sitzend: Pionierleiterin, schickte Andre S. zum Friseur, woraufhin dieser sich bei der Delegationsleiterin mit Erfolg beschwerte. Dritte von rechts stehend: Pionierleiterin aus Seelow. Peter Thiel (ohne Pionierkäppi - weil verloren)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gruppenfoto - wohl vor unserem Haus am Strand.

Der Junge in der ersten Reihe (zweiter von links), der da so missmutig guckt, hatte offenbar an dem Tag schlechte Laune.

Er hatte in der Zeit wohl auch Liebeskummer und wollte sich - so wurde berichtet - ins Meer stürzen. In wen er verliebt war ist mir nicht bekannt.

Ich selber sitze auch in der ersten Reihe (dritter von rechts), neben Tibor V.

Das Pionierkäppi ist mir an einem der vorhergehenden Tage abhanden gekommen, als wir an einem Ausgang des Lagers "Wache stehen" mussten. Eine etwas sinnlose Angelegenheit, da in den Stunden wo wir da standen, kein Mensch vorbeikam, der rein oder raus aus dem Lager wollte.

 

 

 

 

 

40 Pioniere der DDR-Delegation + Betreuer am Steinstrand von Artek. 

Pionier rechts unten sitzend (aus Seelow ) hatte in Artek Liebeskummer und wollte sich nachts ins Schwarze Meer stürzen.

 

 

 

 

 

Falls sich jemand auf den Fotos wieder erkennt, gerne eine Nachricht an: 

peter@peterthiel.de

 

 

 

 

 

 

 

Die DDR-Delegation sollte in Artek mit Kultur glänzen. Zum Glück brauchten wir vier Jungs vom Orchester, außer einem Mal vorspielen, nichts zu tun. Ein "Diplom" gab es trotzdem. Was wäre das Leben auch ohne eine Urkunde - einfach trostlos.

 

 

 

 

Fast zeitgleich zu jenen unbeschwert erscheinenden Sommertagen 1975 auf der Krim beginnt in Kambodscha der Massenmord der "Rote Khmer" am eigenen Volk:

 

 

Rote Khmer

Die Roten Khmer waren eine maoistische-nationalistische Guerillabewegung, die 1975 in Kambodscha an die Macht kam. Ihr Name leitet sich vom kambodschanischen Staatsvolk, den Khmer, ab. Sie wollten das Land mit Gewalt in eine Art Agrarkommunismus überführen. Dieser Prozess umfasste auch die fast vollständige Vertreibung der Bevölkerung der Hauptstadt Phnom Penh und mündete in einem mit großer Grausamkeit ausgeführten beispiellosen Massenmord am eigenen Volk, der weltweite Bekanntheit erlangte. Bis zum Ende ihrer Herrschaft 1978 fielen den roten Khmer nach den verbreitetsten Schätzungen etwa 1,4 bis 2,2 Millionen Kambodschaner zum Opfer.

...

Am 17. April 1975 wurde Phnom Penh von den Roten Khmer eingenommen, das „Demokratische Kampuchea“ ausgerufen und der im Exil lebende Norodom Sihanouk als Staatsoberhaupt eingesetzt.

Die meisten Einwohner der Stadt freuten sich über das Ende der Kämpfe und begrüßten die einmarschierenden Truppen jubelnd. Ein großer Teil der Kämpfer bestand aus Kindersoldaten, die zu diesem Zeitpunkt nichts anderes als die Schrecken des Krieges kannten.

Die Stimmungslage kippte schnell, als Pol Pot und die Roten Khmer mit der Errichtung eines Terrorregimes begannen. Am 4. April 1976 wurde Norodom Sihanouk wegen seiner Kritik am Kurs der Roten Khmer als Staatsoberhaupt abgesetzt und unter Hausarrest gestellt, Khieu Samphan zum neuen Staatsoberhaupt und Pol Pot zum Regierungschef ernannt.

http://de.wikipedia.org/wiki/Rote_Khmer

 

 

 

06.08.1975 / Allgemein

 

In Artek wetteiferten die jungen Künstler

 

Zum Ausklang «in Konzert der Besten 

 

Artek (ADN-Korr.). Über 4000 Mädchen und Jungen, die zum Abschluß der internationalen Piohieraktion „Salut, Pobeda!" im Allunionspionierlager „W. I. Lenin" in Artek zu Gast sind, begingen am Dienstag den Tag der Kunst. In allen zehn Lagerfreundschaften der größten und schönsten sowjetischen Pionierrepublik am Ufer des Schwarzen ...

 

Neues Deutschland, 06.08.1975

 

 

Links

http://de.wikipedia.org/wiki/Artek

http://de.suuk.su/

http://www.suuk.su/knigi/architektur_de-1.pdf

http://e-pub.uni-weimar.de/volltexte/2004/87/pdf/Teil%20III.5%20%28S.247-270%29.pdf

 

 


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